Ich, der Wind
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Aktualisiert: vor 15 Stunden

„Wach auf.“ „Ich bin da.“
Ein Flüstern, sanft und doch unerbittlich, reißt mich aus dem Ufer des Halbschlafs.
Meine Lider öffnen sich schwer, wie Türen, die man lange nicht bewegt hat.
Das Licht des Mondes fällt schräg herein und legt sich fremd auf die Wände meines Zimmers.
Die Vorhänge tanzen. Ihre Schatten wie ein Schleier, den niemand trägt und doch verbergen sie etwas.
„Wo bist du?", frage ich in mich hinein.
Keine Antwort. Nur Stille. Das Flüstern ist verklungen. Es lebt nur noch als Nachhall in mir. Stumm und doch spürbar.
Dann! Der Schatten an der Decke wird unruhig. Er wächst. Er nimmt Gestalt an, als wollte er sich aus der Wand lösen und zu mir heruntersteigen.
Ein kalter Windzug fährt durch das Zimmer, und der Schweiß auf meiner Stirn weicht ihm wie einem alten Bekannten.
Und doch, mit dem Wind, erhebt sich der Druck in meiner Brust, kurz bevor ein Ausatmen mich beinahe erlöst.
"Bist du der Wind, der meine Vorhänge aufwühlt?
Bist du der Wind, der die Wellen des Meeres wachruft?"
Ich drehe mich zum Fenster. Durch den Vorhang hindurch blendet mich ein grelles Licht, das keinen Ursprung zu haben scheint.
“Komm herein", flüstere ich. „Erlöse mich von dieser Sehnsucht."
Und er kommt.
Eine kühle Umarmung legt sich um meinen Körper.
Die Haut an meinem Rücken stellt sich auf. Nicht aus Kälte, sondern aus Erkennung.
„Du bist fremd in dieser Gegend", sage ich.
„Du trägst den Geruch des Meeres aus dem Norden mit dir. Salzig und alt wie eine Erinnerung, die nicht meine ist."
Ein sanftes Streifen über meine Fußsohlen.
"Setz dich zu mir.
Erzähl mir, wie man weht.
Erzähl mir, wie man liebt, ohne festzuhalten.
Zeig mir, wie man weht und weiterzieht.
Erzähl mir, damit sich mein Herz und meine Zunge lösen.
Denn auch ich will sagen können: Ich bin der Wind.
Erzähl mir vom Wesen des Windes, denn ich will wehen, so wie du.”

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