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Meer in seinen Augen

vor 1 Tag
1 Min. Lesezeit

Das Kind schaut mich an,

und der Morgen hat die Farbe von Wasser.


Babyblau, bis zum Rand gefüllt mit Himmel.

Es lacht, und ich stehe selbst als Kind am Ufer,

barfuß, staunend, ohne Angst.


Wo Erwachsene Urteile tragen,

trägt es nur Weite.

Es liest mich nicht falsch.

Es liest mich gar nicht. Es sieht mich.


Das Meer in seinen Augen.

Tiefer unten, wo das Licht aufhört,

liegt etwas vergraben.

Ich dachte, es sei sein Schatz.


Dann kommt die Nacht.

Ich ziehe die Decke bis zu seinem Kinn,

sage leise: Gute Nacht.

Ich lasse die Tür einen Spalt offen.

Sein Atem wird ein kleines Kommen und Gehen,

Gezeiten in meinem Bett.


Und im eigenen Zimmer steigt die Flut.

Die Nacht droht, mich zu verschlucken.

Salzige Tränen laufen mir über die Wange.


So schmeckt also der Schmerz des Verlustes.


Vielleicht lag der Schatz

nie in seinen Augen.

Vielleicht lag er immer schon in mir,

auf dem Grund, wo niemand nach ihm tauchte.


Ich frage das Meer, das nun hohe Wellen schlägt,

gepeitscht vom Wind,


Wie habe ich das damals überlebt?

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