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Zurück in den Körper

vor 2 Tagen
4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 1 Stunde


Du sitzt am Abend auf dem Sofa, denn der Tag liegt hinter dir.


Wenn es nach dir geht, dürfte jetzt Ruhe einkehren.


Doch du hast das Handy in der Hand und dein Daumen wischt wie von selbst über den Bildschirm, die Gedanken springen von einer Sorge zur nächsten, du bist müde und gleichzeitig unruhig.


Tagsüber bist du beschäftigt. Du funktionierst und erledigst Dinge, organisierst Treffen mit deinen Freunden, kümmerst dich um deren Belangen, doch wenn du alleine bist, fehlt etwas.


Dein Kopf kann nicht abschalten.


Dein Körper nicht entspannen.


Ein überfordertes Nervensystem.


Das Gefühl von Sicherheit im eigenen Körper fehlt.



Bekannte Symptome

Ein überfordertes Nervensystem beginnt häufig leise. Als Unruhe, als ein dumpfes Ziehen am Kopf oder als ein Gedanke, der nicht loslässt.


Auf der körperlichen Ebene spürst du vielleicht:

  • wiederkehrenden Druck auf dem Kopf oder verspannte Schultern, Gelenke

  • Rastlosigkeit, die dich nicht zur Ruhe kommen lässt

  • Antriebslosigkeit, obwohl du eigentlich genug geschlafen hast

  • zu wenig Bewegung, weil die Energie fehlt

  • oder exzessive Stimulation, weil Stille unerträglich scheint


Auf der emotionalen und mentalen Ebene erkennst du:

  • die emotionale Achterbahnfahrt. Eben noch gelassen, im nächsten Moment den Tränen nah

  • innere Zweifel, die jede Entscheidung begleiten

  • Ängste und Sorgen, die sich im Kreis drehen

  • unterdrückte Emotionen, die irgendwann ihren eigenen Weg nach draußen suchen

  • Klammern, an Menschen, an Gewohnheiten, an Kontrolle

  • Doom-Scrolling, als könnte man sich so auf alles Negative vorbereiten


Und manchmal liegt noch mehr darunter wie chronischer Stress, alte Traumata oder Erkrankungen.



Die Ursache liegt auf der Überholspur

Es gibt viele Gründe, weshalb Menschen in diesen Dauerzustand von Anspannung geraten.


Einerseits sind wir ständig auf Trab. Ständig jagen wir einem Wunsch hinterher. Die Welt da draußen ist verlockend mit ihren Reizen, ihren Versprechen und ihrem Funkeln. Das nächste Abenteuer, das nächste Ziel und das nächste Ereignis sind gleich um die Ecke oder nur einen Klick entfernt.


Nichts davon ist falsch, aber wenn jeder Moment nur Durchgangsstation zum nächsten ist, kommt der Körper nie an. Er läuft mit, angetrieben, und bekommt nie die Nachricht, dass er sich setzen und ausruhen darf.


„Das ganze Unglück der Menschen rührt allein daher, dass sie nicht ruhig in einem Zimmer zu bleiben vermögen.“

- Blaise Pascal -


In anderen Fällen ist es gar kein Wunsch, der uns antreibt, sondern die Pflicht.


Die äußere Welt reißt uns mit.


Da sind die Stapel an Arbeit, die noch bewältigt werden müssen. Das kranke Kind, das zum Arzt gefahren werden will oder die Nachricht, die noch beantwortet werden muss. Viel wird von uns abverlangt und ein großer Teil ist berechtigt oder liebevoll gemeint, doch wer nur gibt, ohne zu empfangen, läuft irgendwann leer.


Unser Nervensystem ist keine unerschöpfliche Quelle. Es braucht Phasen, in denen nichts von uns verlangt wird.


Und dann gibt es noch eine Ursache, die mit den Glaubenssätzen zusammenhängt. Sätze wie "Ich muss funktionieren, damit ich liebenswert bin",


"Andere sehen so fit aus, ich bin einfach nur faul und schwach",


"Pausen muss ich mir erst verdienen."


Aus diesen Faktoren kann ein ziemlicher fieser Kreislauf entstehen. Die äußere Welt zieht an uns, der innere Raum bleib unbewohnt und die Glaubenssätze sorgen dafür, dass wir die Tür dorthin gar nicht erst öffnen.



Wenn der innere Kompass ausfällt


Wir können keine klaren Entscheidungen treffen

Gerade dann, wenn wir klare Entscheidungen am dringendsten benötigen, sind wir am wenigsten dazu in der Lage. Wer sich im Dauerstress befindet, trifft Entscheidungen aus der Angst heraus oder gar keine.


Entweder aus dem Wunsch nach schneller Erleichterung oder aus alten Verhaltensweisen.


Die Stimme der Intuition, die für unser höchstes Wohl spricht, geht im Lärm unter.


Wir fragen andere Menschen, wir fragen ChatGPT, wir grübeln und bleiben doch unsicher.


Leiden

Ist das Nervensystem zu lange in einem aktivierten Zustand erzeugt es Leiden. Es muss nicht immer dramatisch aussehen. Oft ist es eine graue Grundstimmung ähnlich einer Depression, eine innere Enge, ein Gefühl von "Ich stecke fest" oder "Das kann doch nicht alles sein".


Wir fühlen uns von anderen Menschen oder vom Leben im Stich gelassen. Doch meistens ist es nicht nur das Außen, das uns im Stich lässt. Wenn wir den Kontakt zu unserem Körper verlieren, lassen wir uns auch ein Stück weit selbst allein.



Was ist Somatisches Yoga

Somatisches Yoga steht für eine liebevolle Nervensystemregulation in einem sicheren, gehaltenen und ruhigen Raum. Das Wort somatisch stammt vom griechischen "soma", dem gelebten, gespürten Körper.


Gemeint ist der Körper, wie du ihn von innen erlebst, nicht der Körper, den du im Spiegel betrachtest.


Im Somatischen Yoga geht es um das persönliche Erfahren deines einzigartigen Körpers und darum, ihn mit Neugier und Achtsamkeit kennenzulernen. Das Ziel ist es, ein leichtes und angenehmes Gefühl zu erzeugen, das dir Vertrauen, Erdung und Geborgenheit im eigenen Körper schenkt.


Im Fokus steht immer die eigene ganz persönliche innere Erfahrung und die Verbindung zwischen Körper, Geist und Seele.


Auf diesem Weg verstehst du die Sprache deines Körpers auf eine tiefere Weise. Du lernst, auf seine Bedürfnisse und Signale einzugehen: Wann will er sich strecken? Wann braucht er Wärme? Wann Stille? Wann sagt er leise Nein?



Eine kleine Einladung zum Ausprobieren

Somatische Wahrnehmung und ein gutes Körpergefühl können durch Üben und Erfahrung wachsen. Es ist wichtig ins Tun zu kommen.




Die Wirkung von Somatischem Yoga


Von der kognitiven Ebene zur somatischen Wahrnehmung

Du wanderst vom Denken ins Spüren. Statt zu analysieren, warum du unruhig fühlst, nimmst du wahr, wie sich Unruhe in deinem Körper zeigt.


Wo sitzt sie? Hat sie eine Temperatur, eine Farbe, ein Gewicht?


Aus dem Gedankenzwang wird ein Raum, in dem du dich umschauen kannst.



Eine innige Freundschaft

Mit der Zeit entsteht eine Verbindung zu deinem Körper, die über das Funktionale hinausgeht.


Du beginnst, der leisen Stimme zu folgen.


Du wirst dir klarer darüber, dass Kommunikation in beide Richtungen läuft.


Dein Körper spricht mit dir.


Es ist wie eine Freundschaft, die immer offener und vertrauter wird. Dein Körper wird sich mehr und mehr zeigen und dir Signale senden, wenn etwas ihm nicht guttut. Wenn du zum Beispiel mit Menschen zusammen bist, die nicht gut für dein Nervensystem sind, oder wenn du an Orten bist, an denen du Unbehagen spürst und dich nicht wohlfühlst.


Auch in der Mystik, das mir aus meiner eigenen alevitischen Tradition vertraut ist, ist der Mensch nicht von der göttlichen Wirklichkeit getrennt, sondern trägt sie in sich.


Yunus Emre, hat das auf seine Weise besungen in seinem Werk "Mânâ Evine Daldık", worin er die göttlichen Geheimnisse im Inneren des Körpers beschreibt.


Wenn das stimmt, dann ist dein Körper nicht nur Hülle, sondern Wohnort von etwas Heiligem.


Es ist dein Tempel.



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